Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


kleist:penthesilea_323

Heinrich von Kleist - "Penthesilea"



Zum Autor

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist wurde in Frankfurt an der Oder geboren. Der aus einer alten preußischen Offiziersfamilie stammende Kleist trat mit 15 Jahren in das Potsdamer Garderegiment ein und nahm 1793-95 am Rheinfeldzug gegen das französische Revolutionsheer teil. 1799 verließ er die Armee, studierte drei Semester in Frankfurt (Oder) und verlobte sich 1800 mit Wilhelmine von Zenge. Kleist lebte zunächst in Berlin, wo er das Drama Die Familie Ghonorez entwarf. Der zum Irrationalismus neigende und mehrfach von Todessehnsüchten gepeinigte Dichter reiste gehetzt und ruhelos durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Nach seelischem und körperlichem Zusammenbruch verbrannte Kleist das Manuskript seines Stücks über den heroischen Normannenherzog Robert Guiskard (1. Akt 1807 wiederhergestellt). 1804 trat Kleist wieder in preußische Dienste und arbeitete in Berlin und Königsberg (Amphitryon, 1807; Penthesilea, 1807/08). Nach dem Sieg Napoleons als angeblicher Spion verhaftet, bewegte sich Kleist nach seiner Freilassung im Kreise der Dresdener Romantiker (Adam Müller, Ludwig Tieck), gründete 1807 das Kunstjournal Phöbus und vollendete das Lustspiel Der zerbrochne Krug (1808) sowie das träumerisch-wunderbare Volksschauspiel Das Käthchen von Heilbronn (1808).

Der einstige Anhänger Rousseaus wurde nun zum erbitterten Napoleon-Gegner und Fürsprecher eines deutschen Nationalismus (Die Hermannsschlacht, 1808; Kriegslyrik und politische Gedichte, 1808/09). Aus einem ausweglosen Pessimismus rang er sich zur Anerkennung der Notwendigkeit und Gerechtigkeit staatlicher Ordnung durch. Er verkehrte in Kreisen der Berliner Romantiker (Achim von Arnim, Clemens Brentano, Rahel Varnhagen) und war Herausgeber und Redakteur der Tageszeitung Berliner Abendblätter (1810/11). Kleist trat auch als begnadeter Essayist (Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden; Über das Marionettentheater) und Erzähler (Die Marquise von O…; Das Erdbeben in Chili; Die Verlobung in St. Domingo; Das Bettelweib von Locarno; Der Zweikampf) hervor. In seinen Prosaarbeiten, von denen die Novelle Michael Kohlhaas (1810) vielleicht die bekannteste ist, werden meist außerordentliche, paradoxe und dämonisch-schicksalhafte Ereignisse in unnachahmlich dichtem Sprachduktus poetisch gestaltet. Nach Vollendung des Prinzen Friedrich von Homburg (1811) in finanziellen Schwierigkeiten und persönlichen wie familiären Querelen, ging Kleist zusammen mit seiner Geliebten, der unheilbar kranken Henriette Vogel, in der Nähe des Berliner Wannsees bewußt in den Tod.

Gegen Schillers Ideenglauben und Goethes Erlösungsdrama setzt Kleist die oft einen historischen Stoff aufgreifende Tragödie der Verstrickung in einem verhängnishaften und unenträtselbaren Schicksal, dessen Sinn jenseits der Grenzen menschlichen Erkennens liegt. Seiner geheimnisvoll-brüchigen Wirklichkeitserfahrung steht die Überzeugung gegenüber, daß es in der Seele des Menschen eine nicht hinterfragbare Gewißheit instinktiven Erkennens gibt. Neben den Tragödien gehören auch Lustspiele und Erzähltexte - Kleist gilt heute als einer der Begründer der deutschen Novelle - zu seinem dichterischen Werk, das von Ausnahmen abgesehen (Friedrich Hebbel) erst im 20. Jahrhundert die ihm gebührende Aufmerksamkeit fand.¹


Personen

Penthesilea, Königin der Amazonen

Prothoe, Fürstin der Amazonen

Meroe, Fürstin der Amazonen

Asteria, Fürstin der Amazonen

Die Oberpristerin der Diana, welche das Rosenfest vorbereiten soll

Achilles, griechischer Held

Odysseus, griechischer Held

Antilochos, König der Griechen

Diomedes, König der Griechen


Zusammenfassung

Pentesilea ist eine Amazonenkönigin welche sich in den griechischen Helden Achill verliebt.

Nach dem Brauch der Amazonen nehmen diese ihre Feinde gefangen um durch ein sogenanntes Rosenfest den Fortbestand des reinen Frauenvolkes zu sichern. Welche danach wieder in die Freiheit entlassen werden. Der Gott Mars, bestimmt, die Zuteilung der Amazonen und der Gefangenen, wobei es den Frauen nach Gesetz verboten ist Gefühle für dieselben zu entwickeln. Im Kampf um Troja, trifft Pentesilea auf Achill, welcher sie im Kampf besiegt. Jedoch lässt dieser, als sie wieder aus ihrer Ohnmacht erwacht, sie in dem Glauben, Pentesilea hätte ihn besiegt, da er sich ebenso in dieselbe verliebt hat. Achill lässt es auf einen Zweikampf mit Pentesilea ankommen, in welchem er sich von ihr besiegen lassen will. Pentesilea, traurig und zugleich wütend über den Bevorstehenden Kampf zieht Hochbewaffnet und mit Hunden gegen Achill. Blind vor Wut merkt sie nicht, dass Achill bereits blutend zu Boden gefallen war, schlägt immer weiter auf ihn ein und zieht ihre Hunde erst zurück, als es bereits zu spät ist. Dass er gestorben war merkt sie erst viel zu spät und Entrüstung und Verzweiflung bricht über ihr ein. Da sie nun nicht mehr nach den Gesetzen der Amazonen leben kann, sich jedoch niemals gegen das Gesetz wenden könnte, beschliesst sie ihrem Geliebten zu folgen. Sie durchbohrt sich selbst fünf Mal mit dem Dolch und stirbt.


Aufbau

Aufbau

a) Einleitung, Exposition: Penthesilea, die Königin der Amazonen, zieht mit ihren Kriegerinnen, in die Schlacht um Troja.

b) Erregender Moment: Penthesilea verliebt sich in den Griechenhelden Achill. Doch den Amazonen ist es nicht erlaubt sich zu verlieben.

c) Höhepunkt: Es kommt zu einem Kampf zwischen der Königin und Achill. Er will Penthesilea absichtlich gewinnen lassen.

d) Fallende Handlung: Bei diesem Kampf wird Achill von Penthesilea getötet.

e) Katastrophe: Anschliessend ersticht sich Penthesilea mit einem Dolch.²


Erscheinen und Epoche

Penthesilea erschien 1808 und damit in der Epoche der Romantik.


Quellenangabe

¹ : aus Knaurs Großer Schauspielführer

² : Bildquelle

kleist/penthesilea_323.txt · Zuletzt geändert: 2017/06/02 14:23 von stus-adm